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Donnerstag, 3. Dezember 2009

KISTERS Zeitreihenmanagement von Grund auf neu!

Ob Software-Lösungen für Energiemanagement, Wasserwirtschaft oder Luftqualität: Der Nukleus unserer Produkte zur Unterstützung der fachlichen Aufgaben in den unterschiedlichen Bereichen ist Zeitreihen-Technologie.

Das ist unsere Kernkompetenz; hier haben wir 25 Jahre Erfahrung. Für die wachsenden Anforderungen im Zeitreihenmanagement, insbesondere hinsichtlich der zu verarbeitenden Datenmenge, haben wir mit dem KISTERS Time Series Management KiTSM eine neue state-of-the-art Lösung entwickelt. Im wasserwirtschaftlichen Informationssystem WISKI 7 ist KiTSM schon im Einsatz bei unseren Kunden und die Reaktionen sind positiv – KiTSM ist schnell, flexibel, ausfallsicher.

Verantwortlich für Design und Implementierung von KiTSM ist ein Team aus Software-Entwicklern unter der Leitung von Dirk Muthorst (Projektleiter KiTSM). Er berichtet Astrid Beckers im Interview über seine Arbeit und den Kundennutzen vom neuen KISTERS Time Series Management.

Astrid Beckers (AB): Herr Muthorst, Zeitreihenmanagement von KISTERS hat sich in vielen Anwendungsgebieten auch über Europas Grenzen hinaus bewährt. Vielleicht erklären Sie kurz die wichtigsten Basics!

Dirk Muthorst (DM): Eine Zeitreihe ist eine zeitbezogene Folge von Datenpaketen, die in bestimmten Abständen anfallen, zum Beispiel die viertelstündliche Auslesung von Stromzählern oder die periodische Messung von Wasserständen.

Zu jedem erfassten Zahlenwert gehören also der Zeitstempel und möglicherweise noch weitere qualifizierende Informationen. Zeitreihen werden erfasst, plausibilisiert, berechnet und gespeichert, damit der Software-Anwender sie in Grafiken und Tabellen sehen und bearbeiten kann. Das und vieles mehr ist die Aufgabe des Zeitreihenmanagements. In der KISTERS Software für Wasserwirtschaft, Energiedatenmanagement und Luftqualitätsmessung ist das Zeitreihenmanagement die Basis für einen Großteil der Fachfunk-tionen.

AB: Der leistungsstarke gemeinsame Kern der KISTERS Software-Produkte sozusagen… Und warum hat KISTERS sein jahrzehntelang erprobtes Zeitreihenmanagement noch mal komplett neu entwickelt?

DM: Aus den Märkten und von unseren Kunden kommen ständig neue Anforderungen hinzu. Wie im Energiemarkt jetzt aktuell Smart Metering, das einen erheblichen Anstieg der zu verarbeitenden Datenmenge mit sich bringt. Die Stromzähler werden bald viertelstündlich statt einmal jährlich ausgelesen, so dass gut 35.000 Mal mehr Daten vorliegen, die schnell prozessiert werden müssen. Da ist belastbare Software dringend nötig. KiTSM entspricht dem Stand der aktuellen Software-Technik und wird auch zukünftige Anforderungen bedienen.

Hinzu kam, dass das Zeitreihenmanagement im Laufe der Jahre oft fach- oder sogar kundenspezifisch weiterentwickelt wurde. Diese unüberschaubar vielen Speziallösungen führten zu unnötigem Aufwand in Software-Pflege und -Weiterentwicklung, denn was bei dem einen Kunden funktionierte, passte noch lange nicht in die Software der anderen. Es wurde Zeit, alle Funktionen und Erfahrungen zu bündeln und eine zukunftssichere, fachbereichsunabhängige Zeitreihenmanagement-Lösung für alle Kunden zu entwickeln.

AB: Welche Anforderungen haben Ihr Team besonders herausgefordert?

DM: Die Neuentwicklung von KiTSM erforderte ein wohlüberlegtes Vorgehen: Um einen fachübergreifenden Leistungskern zu entwickeln, haben wir zunächst von der Fachlichkeit abstrahiert und gemeinsame Leistungsmerkmale des Zeitreihenmanagements identifiziert. Dabei haben wir über den Tellerrand geschaut und uns vorgestellt, welche Software-Architektur den voraussichtlichen Anforderungen der Zukunft gewachsen sein wird. Eine geniale Abstraktion von der Fachlichkeit, wie es ein WISKI-Anwender mit Know-how in der Software-Entwicklung treffend bemerkte. Neue Konzepte verlangen natürlich Umdenken, gründliche Einarbeitung und den sinnvollen Einsatz sowohl bewährter als auch neuer Technologien und Modelle.

In einem Mehrschichten-Modell mit Präsentations-, Anwendungs- und Persistenzschicht stellt KiTSM die Zeitreihenfunktio-nalitäten sowohl „on request“ als auch automatisiert bereit. Entsprechend der Schichtenorientierung werden die teils rechenintensiven Zeitreihenberechnungen auf einem leistungsstarken Server ausgeführt, was zu einem erheblichen Performanzgewinn und einer Entlasung des Arbeitsplatzrechner des Anwenders führt. BelVis und WISKI bedienen sich der KiTSM Servicefunktionalität um die Aufgaben in Energiemarkt und Wasserwirtschaft zu unterstützen. Sie bieten natürlich zusätzlich viele zeitreihenunabhängige Funktionen.

AB: Welche weiteren Neuerungen gibt es in KiTSM?

DM: Das hohe Maß an Flexibilität beispielsweise, das wir durch ein Agentenkonzept erreichen. Agenten sind Methoden zur Berechnung und Validierung von Zeitreihen, z. B. Interpolation, Grenzwertüberschreitung und statistische Berechnungen. Sowohl fachübergreifende Zeitreihenmanagement-Funktionen als auch energiemarkt- oder wasserwirtschaftsspezifische Funktionen werden von Agenten ausgeführt. Sie sind schnell als „Plug-Ins“ verfügbar, d. h. sie werden ohne Änderungen am Programmcode einfach in KiTSM „eingesteckt“. Damit sind wir hochflexibel und schnell in der Gestaltung von maßgeschneiderten Kundenkonfigurationen. Jeder Kunde bekommt ein Produkt, das genau seinen Bedürfnissen entspricht. Die KISTERS Mitarbeiter integrieren und konfigurieren einfach die passenden Agenten und Software-Komponenten.

Und diese KiTSM-Agenten treten automatisch in Aktion: Das System wartet nicht auf Befehle des BelVis- oder WISKI-Anwenders sondern prozessiert Zeitreihendaten ständig im Hintergrund. Zum Beispiel: Sobald neue Zeitreihen ins System kommen, berechnet KiTSM alle damit zusammenhängenden abgeleiteten Daten wie Statistiken und Analysen und liefert sie bei Bedarf schnell an WISKI und BelVis, die sie dem Anwender darstellen. Mit Hilfe dieses Konzepts können die Anwender ihre Arbeitsabläufe weitestgehend automatisieren und Zeit und Kosten sparen.

AB: Also sind Flexibilität und Automatisierbarkeit die Kundenvorteile von KiTSM?

DM: Ja, aber es gibt noch mehr Nutzen:

Wie ich bereits erklärt habe, haben wir mit KiTSM einen in allen Fachbereichen und bei allen Kunden einsetzbaren Kern entwickelt. Die Kunden profitieren davon, dass jede Weiterentwicklung und jede neue Funktionalität direkt für alle Kunden zur Verfügung steht. Dass die KISTERS Produkte nun alle auf dem gleichen Konzept beruhen, kommt dem Anwender auch in der Bedienung der Software zugute. Außerdem macht die Skalierbarkeit einen Anwendungszuschnitt in beliebiger Größe möglich, für Klein- und Großkunden und bei Bedarf erweiterbar.

AB: Wie viele Entwickler haben denn eigentlich an KiTSM mitgearbeitet und wie lange dauert eine solche Neuentwicklung?

DM: Ausschließlich mit der Implementierung von KiTSM beschäftigt sind momentan sechs Entwickler, natürlich in enger Zusammenarbeit mit dem Rest des über hundertköpfigen Entwickler-Teams, in dem sehr viele Mitarbeiter zu KiTSM beitragen. Die Entwicklung einer marktfähigen Software braucht selbstverständlich Zeit. Wir wollten die Vielfalt der kundenspezifischen Leistungen zu einem umfangreichen gemeinsamen Nutzenpaket zusammenfassen, neue Funktionen hinzufügen und die Software verbessern. In 2003 haben wir mit dem Design von KiTSM begonnen und schrittweise die bisherigen Funktionen der Software ersetzt. In diesem kontinuierlichen Entwicklungsprozess besteht unsere tägliche Arbeit nicht nur aus Programmieren, sondern auch aus ständiger Anforderungsüberprüfung, Konzeptentwicklung, Umsetzung auf Modulebene und Test der neu entwickelten Programmteile.

AB: Das neue WISKI 7 auf Basis von KiTSM ist ja nun schon seit einiger Zeit marktreif und im Einsatz…

DM: Stimmt. Und nach kurzer Umgewöhnung freuen sich die Kunden über die Neuentwicklung. Dank KiTSM können sie ihre alltäglichen Aufgaben schneller und einfacher erledigen. Im Moment migrieren wir die Bestandskunden von WISKI 6 auf WISKI 7 und installieren WISKI 7 bei Neukunden. Und im Laufe des nächsten Jahres kommt dann auch BelVis 4 und bringt KiTSM für den Energiemarkt.

AB: Mit KiTSM baut KISTERS also seine Kernkompetenz des Zeitreihenmanagements im Sinne des Kundennutzens weiter aus. Vielen Dank für das Gespräch, Herr Muthorst.